Resilienz: Führungskompetenz oder Fehlanpassung?

Das Thema Resilienz, verstanden als psychische Widerstandskraft einer Führungskraft, ist auf einschlägigen Foren und in Fachzeitschriften nicht selten anzutreffen, wird jedoch (nach meiner Wahrnehmung) sehr oft als anzustrebende, also positive Führungskompetenz beschrieben.

Nun ist „psychische Widerstandskraft“ ebenso ein zentrales Thema im Zuge psychotherapeutischer Behandlungen, jedoch verstanden als >Hindernis< für eine zweckdienliche Bewältigung des Alltags.

Ein und dasselbe Verhaltensmuster der „psychischen Widerstandskraft“ deutet also auf zwei gegensätzliche Ursachen, verbunden mit gegensätzlichen Folgen der daraus hervorgehenden Führungsentscheidungen.

Woran merkt man nun, möglichst schon im Vorfeld, ob das Verhaltensmuster einer (potentiellen) Führungskraft eine Folge einer ausgeprägten psychischen Widerstandskraft ist, im Sinne psychischer Toleranz, oder ob dieses nicht doch durch psych(ot)ische Fehlanpassungen verursacht wurde?

Hierzu fallen mir eine Vielzahl von Gesprächen mit Führungskräften ein, in denen mehrfach und verstärkt der eigene Erfolg ausschließlich als Ergebnis des eigenen Vermögens zum Ausdruck gebracht wird: die eigene Existenz als erfolgreicher Manager, Politiker oder Wissenschaftler wird ausschließlich auf die eigene Schöpferkraft zurückgeführt. Der Psychoanalytiker Giorgio Sacerdoti bezeichnet dieses psychotisch-kreative Verhaltensmuster als „Phantasie der Selbsterzeugung“. Diese Phantasie, so Joachim Küchenhoff in „Erschöpfte Schöpfung: Psychotisches Erleben zwischen Kreativität und Stillstand“, ist „das Produkt einer Verleugnung […] der Tatsache, dass das eigene Leben anderen geschuldet ist.“ Dies erinnert ein wenig an die Allmachtphantasien, die Kinder in ihrem Spiel entwickeln, um einen geeigneten Umgang mit ihren Ängsten zu erlernen (siehe auch >>„Keine Angst! Ich will nur spielen.“ Der Manager zwischen Wettbewerb und Kooperation<< in: https://denkalternativen.wordpress.com/)

Schaut man sich nun vor diesem Hintergrund die gängige Praxis der „Nachwuchsgenerierung“ in Unternehmen westlich kultureller Prägung an, so muss man feststellen, dass Personen mit psychotischen Charakterstrukturen, also mit dem Vermögen, eine „Phantasie der Selbsterzeugung“ wirksam zu inszenieren, höhere Chancen auf Führungspositionen haben, als Personen mit Wirklichkeitsbezug, ausgewiesen durch systematische Analysen der Geschichte des eigenen Scheiterns.

Ist Resilienz nun tatsächlich eine Führungskompetenz oder doch eher ein Zeichen für die Salonfähigkeit psych(ot)ischer Fehlanpassungen?

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